Dass »Die Linke« eine Partei von Demokratieverächtern, Antisemiten und Russlandgroupies ist, liegt jetzt offen zutage. Die Frage ist: Ziehen die Grünen daraus Konsequenzen oder tun sie einfach so, als sei nichts geschehen?
Vor zwei Monaten saßen die Grünen-Politikerin Ricarda Lang, die SPD-Abgeordnete Rasha Nasr und die Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek zusammen, um die Weltlage zu besprechen. Es war wie so oft, wenn man im linken Lager die Köpfe zusammensteckt: nach großem Hallo („yay“) viel Gegiggel und generelles Einverständnis, weil man sich gemeinsam auf der richtigen Seite sieht.
So geht es auch zu, wenn Reichinnek auf Journalisten trifft. Neulich war sie zum Interview beim „Spiegel“. Die Zeiten, als man sich als Redakteur fiese Fragen zurechtlegte, um den Gesprächspartner ins Schlingern zu bringen, sind vorbei. Aber in dem Fall war das Interview von besonderer Harmlosigkeit. Alles, was sie sage, basiere auf Fakten, erklärte Reichinnek unwidersprochen.
Dass sie an anderer Stelle bekannt hatte, nicht mehr zu „Markus Lanz“ gehen zu wollen, weil dessen Fragen so tendenziös seien – Schwamm drüber. Reichinnek gilt als starke Frau, womit sich kritische Nachfragen schon aus Prinzip verbieten. Man möchte ja nicht erleben, dass sich die starke Frau inhaltlich als eher schwach auf der Brust erweist.
Dass die Linkspartei eine etwas punkigere, aber letztlich harmlose Variante der SPD sei, gilt in großen Teilen des Mediengeschäfts als ausgemachte Sache. Entsprechend wohlwollend wird alles kommentiert und aufgenommen, was von dort stammt. Wenn jemand über die Stränge schlägt wie der niedersächsische Landesverband, der im Überschwang der Pali-Solidarität mal eben das Existenzrecht Israels zur Disposition stellte: nicht schön. Aber es lohnt doch nicht, deswegen ein großes Fass aufzumachen, nicht wahr?
Der große Vorteil von Parteitagen ist: Man sieht den Unterbauch einer Partei, der normalerweise der Öffentlichkeit verborgen bleibt. Nach den drei tollen Tagen von Potsdam, in dem die Linke zusammenkam, um eine neue Parteispitze zu wählen, ist der Blick auf die sogenannte Basis frei. Es ist im Kern eine Partei von Demokratieverächtern und Freiheitsfeinden, die dem Kapitalismus den Kampf erklären, dem parlamentarischen System und der EU – in der Reihenfolge.

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Vieles von dem, was rechts der Mitte Anklang findet, wärmt auch die Mitglieder der Linkspartei. Die Anbiederung an Russland als antiwestliches Bollwerk. Der Hass auf den Westen und die offene Gesellschaft. Die Feindschaft gegenüber einem unabhängigen Journalismus. Der einzige Unterschied ist, dass alles noch etwas schräger und schriller vorgetragen wird.
Bei ZDF und ARD arbeiten nicht „Systemschranzen“, wie das bei AfD-Parteitagen heißt, nein, dort sitzen „Verbrecher“. Die Abgeordneten in den Parlamenten? „Kriminelle“, Punkt. Und es ist auch nicht irgendeine Hintersassin, die so etwas unter tosendem Applaus ins Mikrofon ruft, es ist eine Funktionärin, die dafür umgehend in den Parteivorstand gehievt wird.
Bei der AfD erfreut man sich am Spaß, SA-Parolen zu recyceln. Bei der Linken hält man sich nicht lange mit solchen Kindereien auf. Dort werden Massenmörder wie Mao und Stalin umstandslos zu Vorbildern erklärt. Der Bayerische Rundfunk hat in einer verdienstvollen Recherche offengelegt, was in der Jugendorganisation der Linkspartei inzwischen zum guten Ton gehört. Stalin habe die „Modernisierung vorangebracht“ und „Kapitalisten bestraft“, heißt es in einer Mail an den BR. Da bleibt nicht viel Raum für Interpretation.
Selbstverständlich soll auch endlich mit dem Schuldkult Schluss sein. „Ende mit dem Schuldkult“ heißt nur anders. Bei der Linken spricht man von „Palästinasolidarität“, aber es läuft auf dasselbe hinaus. Dass die Vergangenheit nicht den Blick verstellen dürfe, dass die Täter von heute den Davidstern tragen, ist Common Ground. Von „Entlastungsantisemitismus“ spricht die Wissenschaft. Gemeint ist das Bedürfnis, sich von der Last der Geschichte zu befreien, indem man den Spieß einfach umdreht.
Tatsächlich ist die Israelobsession das dunkle Herz der Partei. Kaum ein Auftritt, bei dem der Redner nicht auf das kleine Land zu sprechen kam. Sogar in der Kritik am Berliner Bürgermeister Kai Wegner brachte man noch Israel unter. Ein Reporter der „Jungle World“ bemerkte mit Erstaunen, dass Jubel aufbrandete, als von „Genozid“ die Rede war. „Jubel und Genozid, das, dachte man, passt nicht zusammen, egal in welchem Zusammenhang. Aber Gaza und Linkspartei machen es möglich.“
Selbstverständlich wird jeder Auftritt mit dem Zusatz versehen, dass Antisemitismus in der Linken keinen Platz habe. Schade, dass es keine Strafe auf Jewfacing gibt. Bei jedem Weißen, der über Schwarze herziehen würde, um dann zu sagen, dass er der entschiedenste Gegner von jeder Form des Rassismus sei, würde man zu Recht sagen: Da sind ein paar Schrauben locker.
So gesehen ist nur folgerichtig, dass man sich mit Vorliebe auf NS-Verfolgte wie Anne Frank oder Erich Fried bezieht. Wenn die Juden die neuen Nazis sind, dann ist man selbst der neue Jude. Die offene Frage ist nur, ob der Faschismus schon die gesamte Gesellschaft im Griff hat, wie der neue Vorsitzende Luigi Pantisano in seinen Ausführungen zum Thema nahelegte – oder man erst am Beginn der „Faschisierung“ stehe.
Warum der Verfassungsschutz mit großem Aufwand den Nachweis zu führen versucht, dass die AfD gesichert rechtsextrem sei, die Linke aber links liegen lässt, gehört zu den Geheimnissen des politischen Geschäfts. Wobei, ein so großes Geheimnis ist es nicht. Es ist gewollt. In der SPD wird die Linkspartei bis heute als natürlicher Verbündeter betrachtet, allen Transgressionen zum Trotz.
Irgendwie gelten die Leichenberge, die der Sozialismus hinterließ, als bedauerlicher, aber entschuldbarer Betriebsunfall auf dem Weg zu einer gerechteren Gesellschaft. Dass die Leichenberge systemimmanent sind, ja dass der Kommunismus gar nicht anders kann, als Andersdenkende zu eliminieren, ist ein Gedanke, dem sich die Sympathisanten bis heute verweigern. Deshalb rufen auch Überlegungen, wie man nach der Machtübernahme mit den Reichen verfahren solle, ob man sie gleich erschießen oder doch erst einmal ins Umerziehungslager stecken lasse, nicht Protest, sondern Achselzucken hervor.
Wer von der Linkspartei nicht reden will, soll von der Brandmauer schweigen, wie der gebildete Antifaschist sagen würde. Mit welcher Berechtigung will man in Zukunft noch eine Brandmauer nach rechts verlangen, wenn man nach links offen ist wie eine Hose? Anderseits: Wenn der Faschismus schon rechts von der Linken beginnt, braucht es auch keine Brandmauer mehr. Dann kann es ja nicht mehr viel schlimmer werden, nicht wahr?
Ricarda Lang hat sich mit der Mahnung zu Wort gemeldet, die CDU eine faschistische Partei zu nennen, sei geschichtsvergessen und gefährlich. Aber hat die Distanzierung Konsequenzen?
Wir werden es bald wissen. Eine der Delegierten, die in Potsdam das große Wort führten, tritt in Berlin als Kandidatin für das Amt des Regierenden Bürgermeisters an. Elif Eralp ist ihr Name. Aber für den Einzug ins Rote Rathaus braucht es die Unterstützung der grünen Partei. Ohne die wird es nicht gehen.
Schenkt euch eure mahnenden Worte, wäre meine Antwort an die Grünen. Wer mit Judenfeinden und Demokratieverächtern gemeinsame Sache macht, hat jeden moralischen Anspruch verwirkt. Ich habe eine Ahnung, wie es im Herbst ausgeht, wenn es zum Schwur kommt. Aber wer weiß, vielleicht liege ich ja falsch.








