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Öl auf ihrer Haut

51 Prozent der jungen Frauen haben in Berlin die Linkspartei gewählt. Warum begeistern sich Frauen für eine Partei, die insbesondere auch Männer attraktiv finden, die meinen, Frauen sollten vor allem gehorchen?

Meine Frau hat mich mit der Nachricht überrascht, dass im Kindergarten eine Betreuerin gekündigt wurde. „Die Hilke muss gehen“, sagte sie. „Oh nein, was ist passiert?“, fragte ich. Alle seien schrecklich niedergeschlagen, antwortete sie. Es gebe einfach nicht mehr genug Kinder.

Ich wusste das nicht, aber überall in München herrscht Kindermangel. Andernorts müssen ganze Kitas schließen. Ich dachte immer, Erzieher wäre ein Job mit Beschäftigungsgarantie. Wie sich zeigt, ist der Beruf nicht nur sehr anspruchsvoll, sondern auch noch von den Launen der Demografie abhängig.

Die Geburtenrate ist auf 1,3 Kinder pro Frau gesunken. Das schlägt jetzt voll durch. Wenn es so weitergeht, werden nicht nur Kitas reihenweise schließen. „Children of Men“, das droht auch Deutschland.

Warum bekommen die Deutschen keine Kinder mehr? Einige sagen, der Klimawandel sei schuld. Andere machen die Kriegsangst verantwortlich. Auch die Dating-Apps, die den Kunden suggerieren, um die Ecke gäbe es immer noch jemand Besseren, stehen in Verdacht.

Der „Spiegel“ hat vor zwei Wochen eine überraschende Erklärung für den Kinderschwund präsentiert: Es ist die Politik, die Frauen und Männer auseinandertreibt. Wenn sich Paare nicht mehr finden, weil die politischen Unterschiede sie trennen, dann gibt es auch keinen Nachwuchs, das ist logisch. Noch immer ist eine stabile Partnerschaft die beste Voraussetzung für die Familiengründung.

Vor allem Frauen haben Vorbehalte. Ein Partner, der politisch nicht auf Wellenlänge ist, kommt ihnen nicht ins Haus. Männer scheinen da etwas toleranter. Wenn die Frau ein bisschen nach links tendiert, schauen sie darüber hinweg. Ja mei, die Annika ist halt etwas grün, dafür hat sie andere Qualitäten, sagen sie sich. So können Frauen nicht denken. Entweder der Kerl ist auch so fortschrittlich wie sie, oder das war’s.

Die Frauen werden auch immer linker. Inzwischen beträgt der Abstand 23 Punkte. Das ist eine gewaltige Kluft. Männer waren immer etwas konservativer, das hat sich nicht geändert. Es sind die Frauen, die sich politisch immer weiter entfernen. 51 Prozent der unter 25-Jährigen haben in Berlin die Linkspartei gewählt. Wenn es nach den weiblichen Stimmen ginge, wäre Heidi Reichinnek längst Bundeskanzlerin.

Auch in den Vereinigten Staaten gibt es das Phänomen. In einem Text, den ich dazu gelesen haben, stellten die Autoren auf die Einführung des Smartphones ab. Bis 2010 betrug das politische Gendergap zwischen Frauen und Männern nur zwölf Punkte. Erst danach lief es plötzlich auseinander.

Frauen neigten eher dazu, sich ihrem Meinungsumfeld anzupassen, lautete die Erklärung. Lange dominierten auf Social Media vor allem linke Stimmen, das Smartphone dient so gesehen als große linke Konsensmaschine. Auch Heidi Reichinnek verdankt ihren Aufstieg den sozialen Medien. Vielleicht ist an der Theorie etwas dran.

Noch rätselhafter ist der Schulterschluss von Feminismus und Islamismus, wie wir ihn in Berlin sehen. Wenn es eine Paarung gibt, die wie ein Match aus der Datinghölle wirkt, dann diese, sollte man meinen. Doch eigenartig: Die Scharia scheint vielen Linksparteiwählerinnen weniger bedrohlich als der Siegeszug der Tradwifes. Lieber Seit an Seit mit Salafisten, die ihre Frauen von Kopf bis Fuß verschleiern, als auch nur einen Händedruck mit jemanden wechseln, der Philipp Amthor schätzt.Der „Bild“-Kolumnist Harald Martenstein hat sich mächtig Ärger eingefangen, weil er in seiner Kolumne gefragt hatte, warum so viele junge Frauen für arabische Machomänner schwärmten. Palästinasolidarität biete die Chance, eine verbotene Leidenschaft politisch korrekt auszuleben, lautete seine These. In der „Süddeutschen“ wurde Martensteins Text als Beispiel genannt, wie der Wahlsieg der Linken Journalisten um den Verstand bringe.

Ich war ein wenig enttäuscht. Ich hatte eine Woche zuvor in der „Zeit“ eine ganz ähnliche Beobachtung geteilt. Es ging dabei um die Liebe migrantischer Männer zu schnellen Autos, die sich ein grüner Mann nie trauen würde. Entweder lesen weniger Menschen die „Zeit“, als man meinen sollte, oder sie denken bei der „Süddeutschen“: Wenn es in der „Zeit“ steht, dann geht das in Ordnung.

Es ist auffällig, dass ausgerechnet Frauen, die normalerweise schon einen Schreikrampf bekommen, wenn jemand an der falschen Stelle lacht, bei arabischen Machos dahinschmelzen. Dann wird über alles hinweggesehen, sogar über ein Faible für die Hamas.

© Silke Werzinger

Wohlgemerkt, wir reden über Männer, die auch Vergewaltigung okay finden, jedenfalls, wenn es die richtigen Frauen trifft. Mehr Frauenverachtung geht eigentlich nicht. Aber solange der Mann als Mitglied einer verfolgten Minderheit gilt, ist das irgendwie okay. Dann ist die Hamas-Liebe nicht Ausdruck toxischer Männlichkeit, sondern der Beweis von Widerstandsgeist.

„Salz auf unserer Haut“ hieß in meiner Jugend ein Bestseller, der sich insbesondere unter aufgeklärten Frauen großer Beliebtheit erfreute. Im Zentrum des Romans stand eine junge Intellektuelle aus Paris, die sich mit einem bretonischen Fischer einließ und dabei die Freuden erlebte, die sich in ihrem öden Mittelschichtsleben nicht mehr einstellen wollten. Vielleicht ist die Pali-Begeisterung eine Art Neuauflage, also gewissermaßen das Öl auf ihrer Haut. Frauen neigen dazu, Männer als Erziehungsprojekt zu betrachten. Sie denken, wenn sie nur hartnäckig genug bleiben, dann schleifen sich die rauen Ecken schon ab. Ich halte das für einen Trugschluss. Wenn ich mich in den Vierteln umsehe, wo arabische Männer das Straßenbild bestimmen, habe ich nicht den Eindruck, dass in Wahrheit die Frauen das Sagen haben.

Ich kann auch nicht erkennen, dass das Leben in Deutschland zu mehr Liberalität führt. Eher scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Als die muslimische Hochschulgruppe an der Kieler Uni im vergangenen Jahr zu einer muslimischen Woche einlud, wurden die Teilnehmer gebeten, die Veranstaltungen durch getrennte Eingänge zu betreten, links die Frauen, rechts die Männer. Selbstverständlich saß man dann auch nach Geschlechtern getrennt, die Männer vorn, die Frauen hinten.

Als Mann kann ich damit leben. Wenn man mich zwingen würde, den Koran anzuerkennen, bin ich der Erste, der Ja sagt. Ich habe auch kein Problem damit, wenn es künftig zwei Eingänge für Männer und Frauen gibt. Ich akzeptiere das Kopftuch. Und wenn demnächst in Talkshows alle weiblichen Teilnehmer ehrfürchtig schweigen, sobald ich das Wort ergreife? Einen Tod muss man sterben. Dass Frauen wieder gezeigt wird, wo ihr Platz ist: Wenn die Mehrheit der Linken entsprechend wählt, wer bin ich, mich dem entgegenzustellen?

Für meine beiden Töchter sähe es finsterer aus, aber da finde ich ebenfalls eine Lösung. Notfalls buchen wir rechtzeitig ein Ticket in ein Land, in dem die neuen Machos noch nichts zu sagen haben. Uruguay soll sehr schön sein. Auslandseinkommen sind sogar steuerfrei.

Ich fürchte nur, für viele, die jetzt an den Hochschulen die Hamas anbeten, kommt jede Hilfe zu spät, wenn es so weit ist. Die müssen dann leider ihr Leben als Super-Tradwife fristen. Wie heißt es so schön? Elections have consequences, Wahlen haben Folgen.

Politische Landschaftspflege

Der Rechtsstreit zwischen dem ehemaligen Schauspielerpaar Collien Fernandes und Christian Ulmen steht noch ganz am Anfang. Aber links der Mitte weiß man bereits, wie sich daraus Gewinn schlagen lässt

Never let a good crisis go to waste“, lautet das zweite thermodynamische Gesetz der Politik. Zu Deutsch: Lass keine Gelegenheit aus, das Wasser auf deine Mühlen zu leiten. Es folgt auf das erste Gesetz: „Alles lässt sich drehen und wenden, bis es passt.“

Sprechen wir an dieser Stelle aus gegebenem Anlass über HateAid, die Berliner Beratungsstelle und der Darling rot-grüner Politik. HateAid berät Menschen, wie sie sich gegen Beleidigungen und Nachstellungen im Netz zur Wehr setzen können. Als die beiden Geschäftsführerinnen vor Weihnachten auf der Sperrliste des amerikanischen Außenministeriums landeten, brach eine Woge der Solidarität über sie herein. Zahlreiche Politiker lobten das segensreiche Wirken der NGO und bekundeten ihre Anteilnahme.

Jetzt herrscht großes Entsetzen. Das Bundesfamilienministerium will den Geldhahn zudrehen. Was viele nicht wissen: Das Familienministerium ist die Hüterin der Goldtöpfe. Hier laufen die Geldströme zusammen, die sich dann über die politische Landschaft ergießen. Was unter dem Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch, Gott hab ihn selig, als Landschaftspflege begann, ist heute ein eingespieltes System, das auch denjenigen ein warmes Plätzchen bietet, die leider im Studium aufs falsche Pferd gesetzt haben. Ein Job bei einer NGO findet sich immer.

Solange im Ministerium mit Lisa Paus eine Grüne saß, war alles in schönster Ordnung. Paus war Vertreterin des knalllinken Flügels aus Berlin, womit sichergestellt war, dass es keine lästigen Nachfragen gab. Solange es irgendwie gegen rechts ging, war die Finanzierung gesichert.

Heute sitzt auf dem Posten Karin Prien. Und damit beginnt das Problem. Prien hat den Ruf, eine moderate Frau zu sein, sie steht in der CDU eher links. Gerade ist sie damit aufgefallen, dass sie auch im Bundestag eine Quote verankern möchte. Aber Frau Prien hat einen klaren Blick auf die Dinge. Und deshalb will sie die Förderung auf den Prüfstand stellen und einen Teil des Geldes an Initiativen geben, die im Gegensatz zu den Berliner Hilfswerken im Land vertreten sind, also an Bibliotheken, Jugendvereine, die freiwillige Feuerwehr.

Das Entsetzen in der Szene ist groß. Heidi Reichinnek ist auf der Zinne. Heidi Reichinnek ist immer auf der Zinne, aber jetzt ist sie noch weiter oben. Die CDU nehme die Zivilgesellschaft unter Beschuss, lautet die Klage, sie betreibe das Geschäft der AfD. „Zivilgesellschaft“ ist das Codewort für „unsere Leute“. Die Pläne aus dem Hause Prien sind eine existenzielle Bedrohung. An den 200 Millionen Euro, die allein das Programm „Demokratie leben!“ umfasst, hängt eine ganze Infrastruktur.

© Sören Kunz

An dieser Stelle kommt das zweite thermodynamische Gesetz ins Spiel. Am Wochenende setzte Luisa Neubauer folgenden Tweet ab: „Ganz Deutschland erfährt, wie unzureichend die Gesetzgebung bzgl. Frauenschutz ist und WIE SEHR 40 Mio. Frauen in diesem Land auf die Arbeit von NGOs angewiesen sind.“ Und in der CDU? Würden sie das Ende der Förderung von HateAid feiern. „Wow“. Damit ist der Ton gesetzt. Wer sich an Institutionen wie HateAid vergreift, ermöglicht Männergewalt.

Noch liegt in dem Rechtsstreit zwischen den Schauspielern Collien Fernandes und Christian Ulmen vieles im Dunkeln, wie das so ist bei schwebenden Verfahren. Aber das, was man weiß (oder zu wissen glaubt), reicht aus, um hundert Prozent Solidarität mit HateAid und allen rot-grünen Vorfeldorganisationen zu fordern.

In Wahrheit steht die Hilfe von HateAid, anders als der Name vermuten lässt, nicht jedem offen. Man sei überparteilich, heißt es zwar in der Selbstdarstellung. Aber wenn die Hilfsstelle den Eindruck hat, dass man als Frau auf der falschen Seite steht, kann sie erstaunlich kaltherzig sein.

Die FDP-Politikerin Karoline Preisler weiß davon ein Lied zu singen. Preisler erinnert seit dem 7. Oktober regelmäßig bei Pro-Palästina-Demonstrationen an die Verbrechen der Hamas. Sie wurde dafür mit Vergewaltigungs- und Todesdrohungen überzogen, einige Drohungen richteten sich gegen ihre Kinder. Alle Versuche, von HateAid Unterstützung zu erhalten, liefen allerdings ins Leere, und das, obwohl sowohl sie selbst als auch Dritte sich mehrfach an die Organisation wandten.

Ähnliches schilderte um die Weihnachtszeit die AfD-Politikerin Marie-Thérèse Kaiser. Bei einer Veranstaltung des Deutschen Juristinnenbundes habe sie die HateAid-Gründerin Anna-Lena von Hodenberg angesprochen und von massiven Beleidigungen berichtet. „Frau von Hodenberg gab mir bereits ein paar Tipps, verwies mich im weiteren Verlauf aber auf HateAid, um meinen Fall näher zu betrachten.“

Per WeTransfer schickte Kaiser darauf Auszüge der Nachrichten, die sie regelmäßig erhielt, verbunden mit der Bitte um Hilfe („Da ich noch immer derartige Nachrichten erhalte, wäre ich sehr dankbar für eine Beratung, wie ich gegen diese Nachrichten vorgehen kann“). Ein nahezu gleichlautendes Schreiben ging an das Büro der damaligen Bundestagsabgeordneten Renate Künast, die im Beirat von HateAid sitzt.

Kaiser hatte bei ihrem Erstkontakt nicht erwähnt, dass sie AfD-Mitglied ist. Auch die Natur der Beleidigungen („Nazi-Schlampe“) war kein Thema gewesen. Beide Bitten um Hilfe blieben unbeantwortet. Bis heute habe sie von HateAid keine Rückmeldung erhalten, sagt Kaiser.

Gut dokumentiert ist der Fall der Biologin Marie-Luise Vollbrecht, Doktorandin an der Humboldt-Universität in Berlin, die ins Visier der Translobby geriet. Vollbrecht hat in einem Interview mit dem „Cicero“ geschildert, wie sich ihre Welt auf den Kopf stellte, nachdem sie als TERF markiert worden war, wie traditionelle Feministinnen in der Transszene heißen. Sie wurde beschimpft und bedroht. Auf der Straße wurde vor ihr ausgespuckt. Als sie in einer Kneipe erkannt wurde, bat man sie, die Kneipe zu verlassen. Zwischenzeitlich war unklar, ob sie an ihrem Lehrstuhl überhaupt ihre Promotion würde fertigstellen können. Und das nur, weil sie in einem Vortrag im Rahmen der „Langen Nacht der Wissenschaften“ die Frage erörtert hatte: „Was ist Geschlecht als biologischer Begriff, und warum gibt es nur zwei davon?“

Hat sich HateAid schützend vor die bedrängte Frau gestellt? Im Gegenteil, die Organisation aus Berlin hat den Kampf gegen TERFs noch befeuert. „TERFs glauben an ein binäres Geschlechtermodell, das sich anhand der Genitalien ablesen lässt“, heißt es unter dem Stichwort „Queerfeindlichkeit“. „Sie verstricken unterschiedlichste ideologische Argumente, die unter dem Deckmantel des Feminismus Hass und Hetze gegen trans Personen vermeintlich legitimieren.“ Es kommt eben darauf an, ob man drin ist oder draußen. Wer draußen ist, bleibt das auch.

Einem Artikel im „Spiegel“ kann man entnehmen, dass Luisa Neubauer bereits 2021 über 50 Mal die Hilfe der Beratungsstelle in Anspruch genommen hatte. Ich bin sicher, dass sie viel Hass abbekommt. Ich kann auch verstehen, dass sie sich juristisch gegen die Hater und Stalker zur Wehr setzt. Weshalb allerdings die Allgemeinheit die Kosten der Beratung tragen soll, erschließt sich mir nicht.

Der Rechtsstaat macht aus gutem Grund keinen Unterschied zwischen rechter und linker Gesinnung. Er schaut auch nicht, ob das Opfer sympathisch ist oder nicht. Das ist ein gutes Prinzip, wir sollten daran festhalten. Digitale Gewalt wird nicht besser, wenn sie die vermeintlich Richtigen trifft. Gewalt ist Gewalt.

»Alles lässt sich drehen, bis es passt«