Monat: Oktober 2026

Öl auf ihrer Haut

51 Prozent der jungen Frauen haben in Berlin die Linkspartei gewählt. Warum begeistern sich Frauen für eine Partei, die insbesondere auch Männer attraktiv finden, die meinen, Frauen sollten vor allem gehorchen?

Meine Frau hat mich mit der Nachricht überrascht, dass im Kindergarten eine Betreuerin gekündigt wurde. „Die Hilke muss gehen“, sagte sie. „Oh nein, was ist passiert?“, fragte ich. Alle seien schrecklich niedergeschlagen, antwortete sie. Es gebe einfach nicht mehr genug Kinder.

Ich wusste das nicht, aber überall in München herrscht Kindermangel. Andernorts müssen ganze Kitas schließen. Ich dachte immer, Erzieher wäre ein Job mit Beschäftigungsgarantie. Wie sich zeigt, ist der Beruf nicht nur sehr anspruchsvoll, sondern auch noch von den Launen der Demografie abhängig.

Die Geburtenrate ist auf 1,3 Kinder pro Frau gesunken. Das schlägt jetzt voll durch. Wenn es so weitergeht, werden nicht nur Kitas reihenweise schließen. „Children of Men“, das droht auch Deutschland.

Warum bekommen die Deutschen keine Kinder mehr? Einige sagen, der Klimawandel sei schuld. Andere machen die Kriegsangst verantwortlich. Auch die Dating-Apps, die den Kunden suggerieren, um die Ecke gäbe es immer noch jemand Besseren, stehen in Verdacht.

Der „Spiegel“ hat vor zwei Wochen eine überraschende Erklärung für den Kinderschwund präsentiert: Es ist die Politik, die Frauen und Männer auseinandertreibt. Wenn sich Paare nicht mehr finden, weil die politischen Unterschiede sie trennen, dann gibt es auch keinen Nachwuchs, das ist logisch. Noch immer ist eine stabile Partnerschaft die beste Voraussetzung für die Familiengründung.

Vor allem Frauen haben Vorbehalte. Ein Partner, der politisch nicht auf Wellenlänge ist, kommt ihnen nicht ins Haus. Männer scheinen da etwas toleranter. Wenn die Frau ein bisschen nach links tendiert, schauen sie darüber hinweg. Ja mei, die Annika ist halt etwas grün, dafür hat sie andere Qualitäten, sagen sie sich. So können Frauen nicht denken. Entweder der Kerl ist auch so fortschrittlich wie sie, oder das war’s.

Die Frauen werden auch immer linker. Inzwischen beträgt der Abstand 23 Punkte. Das ist eine gewaltige Kluft. Männer waren immer etwas konservativer, das hat sich nicht geändert. Es sind die Frauen, die sich politisch immer weiter entfernen. 51 Prozent der unter 25-Jährigen haben in Berlin die Linkspartei gewählt. Wenn es nach den weiblichen Stimmen ginge, wäre Heidi Reichinnek längst Bundeskanzlerin.

Auch in den Vereinigten Staaten gibt es das Phänomen. In einem Text, den ich dazu gelesen haben, stellten die Autoren auf die Einführung des Smartphones ab. Bis 2010 betrug das politische Gendergap zwischen Frauen und Männern nur zwölf Punkte. Erst danach lief es plötzlich auseinander.

Frauen neigten eher dazu, sich ihrem Meinungsumfeld anzupassen, lautete die Erklärung. Lange dominierten auf Social Media vor allem linke Stimmen, das Smartphone dient so gesehen als große linke Konsensmaschine. Auch Heidi Reichinnek verdankt ihren Aufstieg den sozialen Medien. Vielleicht ist an der Theorie etwas dran.

Noch rätselhafter ist der Schulterschluss von Feminismus und Islamismus, wie wir ihn in Berlin sehen. Wenn es eine Paarung gibt, die wie ein Match aus der Datinghölle wirkt, dann diese, sollte man meinen. Doch eigenartig: Die Scharia scheint vielen Linksparteiwählerinnen weniger bedrohlich als der Siegeszug der Tradwifes. Lieber Seit an Seit mit Salafisten, die ihre Frauen von Kopf bis Fuß verschleiern, als auch nur einen Händedruck mit jemanden wechseln, der Philipp Amthor schätzt.Der „Bild“-Kolumnist Harald Martenstein hat sich mächtig Ärger eingefangen, weil er in seiner Kolumne gefragt hatte, warum so viele junge Frauen für arabische Machomänner schwärmten. Palästinasolidarität biete die Chance, eine verbotene Leidenschaft politisch korrekt auszuleben, lautete seine These. In der „Süddeutschen“ wurde Martensteins Text als Beispiel genannt, wie der Wahlsieg der Linken Journalisten um den Verstand bringe.

Ich war ein wenig enttäuscht. Ich hatte eine Woche zuvor in der „Zeit“ eine ganz ähnliche Beobachtung geteilt. Es ging dabei um die Liebe migrantischer Männer zu schnellen Autos, die sich ein grüner Mann nie trauen würde. Entweder lesen weniger Menschen die „Zeit“, als man meinen sollte, oder sie denken bei der „Süddeutschen“: Wenn es in der „Zeit“ steht, dann geht das in Ordnung.

Es ist auffällig, dass ausgerechnet Frauen, die normalerweise schon einen Schreikrampf bekommen, wenn jemand an der falschen Stelle lacht, bei arabischen Machos dahinschmelzen. Dann wird über alles hinweggesehen, sogar über ein Faible für die Hamas.

© Silke Werzinger

Wohlgemerkt, wir reden über Männer, die auch Vergewaltigung okay finden, jedenfalls, wenn es die richtigen Frauen trifft. Mehr Frauenverachtung geht eigentlich nicht. Aber solange der Mann als Mitglied einer verfolgten Minderheit gilt, ist das irgendwie okay. Dann ist die Hamas-Liebe nicht Ausdruck toxischer Männlichkeit, sondern der Beweis von Widerstandsgeist.

„Salz auf unserer Haut“ hieß in meiner Jugend ein Bestseller, der sich insbesondere unter aufgeklärten Frauen großer Beliebtheit erfreute. Im Zentrum des Romans stand eine junge Intellektuelle aus Paris, die sich mit einem bretonischen Fischer einließ und dabei die Freuden erlebte, die sich in ihrem öden Mittelschichtsleben nicht mehr einstellen wollten. Vielleicht ist die Pali-Begeisterung eine Art Neuauflage, also gewissermaßen das Öl auf ihrer Haut. Frauen neigen dazu, Männer als Erziehungsprojekt zu betrachten. Sie denken, wenn sie nur hartnäckig genug bleiben, dann schleifen sich die rauen Ecken schon ab. Ich halte das für einen Trugschluss. Wenn ich mich in den Vierteln umsehe, wo arabische Männer das Straßenbild bestimmen, habe ich nicht den Eindruck, dass in Wahrheit die Frauen das Sagen haben.

Ich kann auch nicht erkennen, dass das Leben in Deutschland zu mehr Liberalität führt. Eher scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Als die muslimische Hochschulgruppe an der Kieler Uni im vergangenen Jahr zu einer muslimischen Woche einlud, wurden die Teilnehmer gebeten, die Veranstaltungen durch getrennte Eingänge zu betreten, links die Frauen, rechts die Männer. Selbstverständlich saß man dann auch nach Geschlechtern getrennt, die Männer vorn, die Frauen hinten.

Als Mann kann ich damit leben. Wenn man mich zwingen würde, den Koran anzuerkennen, bin ich der Erste, der Ja sagt. Ich habe auch kein Problem damit, wenn es künftig zwei Eingänge für Männer und Frauen gibt. Ich akzeptiere das Kopftuch. Und wenn demnächst in Talkshows alle weiblichen Teilnehmer ehrfürchtig schweigen, sobald ich das Wort ergreife? Einen Tod muss man sterben. Dass Frauen wieder gezeigt wird, wo ihr Platz ist: Wenn die Mehrheit der Linken entsprechend wählt, wer bin ich, mich dem entgegenzustellen?

Für meine beiden Töchter sähe es finsterer aus, aber da finde ich ebenfalls eine Lösung. Notfalls buchen wir rechtzeitig ein Ticket in ein Land, in dem die neuen Machos noch nichts zu sagen haben. Uruguay soll sehr schön sein. Auslandseinkommen sind sogar steuerfrei.

Ich fürchte nur, für viele, die jetzt an den Hochschulen die Hamas anbeten, kommt jede Hilfe zu spät, wenn es so weit ist. Die müssen dann leider ihr Leben als Super-Tradwife fristen. Wie heißt es so schön? Elections have consequences, Wahlen haben Folgen.

Drop dead

Gefängnis nur noch im Ausnahmefall, keine Ausweiskontrollen mehr und Sozialarbeit statt Polizei: Berlin wird zum großen Labor. Nur beim Geld soll alles so bleiben, wie es ist. Bei der Finanzierung setzt man auf den Süden

Ich zitiere aus dem Programm, mit dem die Linkspartei in Berlin regieren will. Mein Eindruck ist, die meisten Berliner haben es nicht wirklich gelesen – auch viele der Medienleute nicht, die Elif Eralp und ihren Leuten nun die Daumen drücken.

Hier einige der Punkte, die Frau Eralp durchsetzen will, wenn sie mithilfe der Grünen und der SPD endlich regiert.

  •  Polizeiarbeit soll durch Sozialarbeit ersetzt werden.
  •  Wer ein Jahr ein Haus besetzt hat, dem gehört es faktisch.
  •  Gefängnisaufenthalt wird die absolute Ausnahme, Häftlinge bekommen Mindestlohn.
  •  Niemand wird abgeschoben. Weil: Jede Abschiebung ist eine Abschiebung zu viel.
  •  Ausweiskontrollen werden abgeschafft, weil sie Menschen ohne sichere Dokumente ausschließen. Diskriminierungstatbestand Ausweiskontrolle.
  •  Keine Noten bis einschließlich neunter Klasse. Hausaufgaben werden abgebaut, weil sie Kinder aus ärmeren Verhältnissen benachteiligen.
  •  Bauen mit Beton nur noch, wo er zwingend vorgeschrieben ist (an der Stelle habe ich mich gefragt, was stattdessen infrage kommt, Bambus vielleicht).
  •  Kein Baurecht mehr für Ein- und Zweifamilienhäuser.
  •  Bundesinitiative gegen die Neuzulassung von SUV.
  •  Und, mein absolutes Highlight, ein Landesaufnahmeprogramm insbesondere für Menschen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, dem Sudan, Gaza und dem Libanon. Betroffene sollen die Möglichkeit erhalten, über einen sicheren Fluchtweg nach Berlin einzureisen, wie es im Wahlprogramm heißt.

© Michael Szyszka

Das Projekt Tunnelbau, mit dem man sich in Berlin seit den Mauertagen auskennt, bekommt damit eine neue Bedeutung. Dieses Mal nicht sicheres Geleit von Ost nach West, sondern vom Mittelmeer in die Hauptstadt. Wenn das kein Fortschritt ist! Und vom Tunnelbau versteht man bei den Freunden Palästinas bekanntlich etwas.

Ich gebe zu, in meiner Brust schlagen zwei Herzen. Als Freund der Freiheit bin ich gegen Sozialismus jeder Art. Insbesondere für Menschen jüdischen Glaubens brechen harte Zeiten an. Anderseits wäre für einen endlosen Strom an Kolumnenmaterial gesorgt.

Im „Spiegel“ konnte man in einer Verteidigungsschrift lesen, Berlin sei unbezahlbar geworden. Die Einzige, die versprochen habe, sich darum zu kümmern, sei die Elif. Komm mal nach München, hätte ich der Autorin am liebsten zugerufen. Madrid, Paris und Rom sind ebenfalls nicht gerade das, was man günstig nennt. Das hat das Hauptstadt-Sein so an sich, dass man sich nach der Decke strecken muss.

Jetzt soll im großen Stil enteignet werden. Die Befürworter beziehen sich auf einen Volksentscheid, in dem 42 Prozent der Wahlberechtigten für eine Verstaatlichung großer Wohnungsbaugesellschaften votierten. Die Berliner haben jetzt auch dafür gestimmt, dass man die Gefängnisse öffnet und die Polizei abbaut. Vielleicht liegt es am Grundwasser. Ich würde es mal untersuchen lassen. Oder sie sind generell einfach sehr abenteuerlustig. Aber gut, rechnen wir den großen Enteignungsplan einmal durch.

Ein gewisse Verwirrung beginnt schon bei der Frage, wie teuer das Ganze wird. Der ehemalige Parteichef Jan van Aken hat bei „Markus Lanz“ 8 bis 12 Milliarden Euro in den Raum gestellt. Die Bürgermeisterkandidatin selbst spricht davon, dass man zu 40 Prozent des Verkehrswertes verstaatlichen wolle, das würde 20 bis 25 Milliarden an zusätzlichen Schulden bedeuten. Der Berliner Rechnungshof wiederum hat in einem Gutachten 40 Milliarden als Größenordnung genannt.

Gehen wir, ganz konservativ, von 25 Milliarden Euro aus. Lassen wir auch den gigantischen Rechtsstreit außer Acht, den die Verstaatlichung unweigerlich nach sich ziehen und der das Land Berlin Millionen und Abermillionen an Verfahrensgebühren kosten wird. Selbst wenn die Verstaatlichung gelingen sollte, was wäre gewonnen?

Der durchschnittliche Mietpreis liegt bei der Vonovia, dem größten Wohnungsunternehmen der Stadt, derzeit bei 8,30 Euro. Nehmen wir an, Frau Eralp würde, wie angekündigt, zu 40 Prozent des Verkehrswertes enteignen. Das Geld müsste sie am Kapitalmarkt aufnehmen. Bei einem Zinssatz von 3,5 Prozent wären das umgelegt auf alle 240 000 Wohnungen 5 Euro pro Quadratmeter.

Hinzu kämen etwa 2 Euro für Sanierungen und Instandhaltungen, die Immobilien gehören ja jetzt der Stadt. Nimmt man die üblichen Miet-ausfälle und Verwaltungskosten hinzu, liefe es auf eine Durchschnittsmiete von 8 Euro heraus, wie der Berliner Investor Filip Dames vom Risikokapitalfonds Cherry Ventures vorgerechnet hat.

8 Euro im Stadtbesitz versus 8 Euro 30 bei der Vonovia, und da hat man noch keinen einzigen Cent getilgt. Ob das den Minnesängern des neuen Mietsozialismus bewusst ist?

Ich habe ein großes Herz, auch für jeden Irrsinn. Sollen sie machen. Wird für die verbliebenen Bewohner kein Zuckerschlecken. Schon jetzt ist die Stadt so fertig und verdreckt und vermüllt, dass die „SZ“-Redakteurin Johanna Adorján im März ein Stoßgebet zum Himmel sandte: „Mit Berlin ist es vorbei. Wer hier noch lebt, hat den Absprung verpasst.“

Ich will anschließend auch keine Klagen über die Zunahme an Gewalt hören, wenn demnächst die Polizei nur noch tagsüber ausrückt. Oder wie unsicher es insbesondere für Frauen geworden ist. Aber ansonsten: Jeder ist seines Glückes Schmied, wie der Philosoph sagt.

Ich möchte nur eines nicht erleben: dass die linken Recken ihre Sause weiter mit Geld aus dem Süden finanzieren. Das wäre die Antwort aus Bayern, Hessen und Baden-Württemberg, die ich erwarte: Schluss mit der Finanzierung des Berliner Sozialexperiments.

„Drop dead“, lautete der berühmte Satz des republikanischen Präsidenten Gerald Ford, als das chronisch klamme New York 1975 mit dem Bettelbeutel in der Hand in Washington anklopfte. Das wäre auch meine Antwort: Schleicht euch. Sollen Sie ImmoScout24 verbieten und im Gegenzug das Crackrauchen erlauben – aber nicht mit meinem Steuergeld.

Ich habe gehört, dass sich Markus Söder Hoffnung auf die Kanzlerschaft macht. Hier könnte er schon mal zeigen, was in ihm steckt.